Da führe ich mir gestern nichtsahnend das Podcast einer angesehenen, wenn nicht sogar der renommiertesten deutschen Wochenzeitung zu Gemüte, und was passiert: Es wird minutenlang unreflektiert der Paramedizin gelobhudelt.
Das Ganze läuft unter der fetten, überhaupt nicht suggestiven Überschrift „Die Heilkraft der Alternativmedizin”. Bebildert mit Echinacea-Blüten in perfekter Weichzeichner-Idylle lese ich zunehmend entgeistert den ebenfalls total neutralen Anreissertext:
„Nicht alles Lug und Betrug: Was die Naturheilkunde die Schulmedizin noch lehren kann und wie Patienten davon profitieren, erfahren Sie im Audio-Podcast von …” –
na, eben von dieser renommierten deutschen Wochenzeitung. Beziehungsweise in deren Wissensmagazin.
Im Podcast-Hörbeitrag kommen dann Sätze vor, bei denen es mir die Nackenhaare
aufstellt: Diesen Beitrag weiterlesen »
Nachwachsende Rohstoffe sind ja etwas, an dem man normalerweise nicht herummäkeln sollte. Tun wir auch nicht (und über die monokulturbedingtenNachteile von Biokraftstoffen sowie deren mangelhafte Energiebilanz decken wir jetzt mal ein Mäntelchen gepflegten Unwissens).
Die Einladung, die uns allerdings gestern auf nicht gerade ökokorrektem Hochweißpapier erreichte, entlockte dem Wirtschaftsredakteur dann aber doch ein sardonisch-hämisches Grinsen. Ausgerechnet die Chemische Industrie, die seit Jahrzehnten krampfhaft und mit Millionenaufwand versucht, sich ihres sauerverdientenDreckspatz-Images zu entledigen, lädt zu einer Fachtagung ein mit dem schönen Titel: „Zukünftige Rohstoffquellen der chemischen Industrie”.
Datum und Ort der Veranstaltung: 22. April 2010 im BioCampus Straubing-Sand (Niederbayern).
Genauer gesagt ist der Einladende ein „Kontakt- und Kompetenznetzwerk” namens
– und jetzt kommt’s – Chemie Cluster Bayern.
Sie haben richtig gelesen: Chemie Cluster.
Die Chemie-Wolke lädt uns ein nach Straubing.
Gehen Sie hin. Unbedingt! Und teilen Sie uns danach mit, was Sie erlebt, gesehen, gefühlt und gerochen haben. Das Programm samt Teilnahmegebühren finden Sie hier.
Eine geführte Besichtigung des Straubinger Bioinkubators (noch so ein Denglizismus) und eine Kaffeepause wird’s auch geben. Wohl bekomm’s!
Kollege Rehm bat mich gerade, auch hier im Blog auf seine Fortsetzungs-Reportage „Der Fehlerbalken im Auge des Forschers“ auf Laborjournal online hinzuweisen. Momentan erscheint dort täglich eine weitere Folge der Geschichte um vermeintliche oder tatsächliche Datenfälschung. Der Unterschied zu den vielen anderen bekannten Daily Soaps: Es hat sich alles tatsächlich zugetragen. Hier ist Hubert Rehms aktuelle Zusammenfassung:
Seit zwei Wochen läuft auf Laborjournal online die Serie „Der Fehlerbalken im Auge des Forschers“. Was bis jetzt geschah: Zur Jahreswende 2007/2008 gab es eine Auseinandersetzung der Nachwuchsforscher Nikolai Savaskan, damals Postdok am Institut für Anatomie der Charité, mit dem Forschungs-Quereinsteiger Markus Kühbacher. Kühbacher wirft Savaskan vor, in einem gemeinsamen Manuskript Daten gefälscht zu haben. Obwohl dieses Manuskript nie veröffentlicht wurde, schaukelt sich die Sache auf. Der DFG Ombudsman in Hamburg wird angerufen. Die Vermittlung scheitert und der Ombudsman gibt die Sache an die DFG-Kommission zur Aufklärung von Verdachtsfällen wissenschaftlichen Fehlverhaltens ab. Weil Savaskan ein Zögling des damaligen Institutsdirektors Robert Nitsch ist und dieser, nach Kühbachers Ansicht, nicht adäquat reagiert, untersucht Kühbacher die Publikationen von Nitsch auf Auffälligkeiten. Er findet auch einige. Weil Kühbacher zudem durch das Verhalten der Sprecherin des Ombudsman Ulrike Beisiegel irritiert ist, untersucht er auch deren Publikationen. Auch hier meint er Auffälligkeiten gefunden zu haben…
Lust, die Biochemie der Umsetzung von Nahrung in Energie mal als Rap zu hören (und zu sehen)? Derrick Davis, Student in Stanford, und Tom McFadden, Dozent im dortigen Human Biology Program (mit Sonnenbrille), machen es möglich. Hier kommt (mit eingblendeten Texten!) ihr Song “Oxidate It Or Love It / Electron to the Next One”:
Wem’s gefällt — hier ist noch ein weiterer Rap des gleichen Teams darüber, wie Gene die Entwicklung vom Ei zum Organismus steuern: “Regulatin’ Genes”. Und wem auch der gefällt: Sie haben noch zwölf weitere Songs.
Then I thought it might be fun to see if I could write a scientific paper in 140 characters.
… Er tat es:
“Clned gene _cancer_. KO in Ms. Ms dead. Cure cancer.” — There you go. My first twitter paper.
…Und rief daraufhin auf:
But why stop there? Here’s a challenge for you. Your task is to re-write a scientific paper, a real, peer-reviewed and published one, in 140 characters.
Knapp 200 Leute antworteten in den zwei Wochen bis heute und schickten ähnliche “Twitter-Papers”. Wer erkennt zum Beispiel folgendes berühmte Paper in der Twitter-Version?:
Salt of DNA structure= double helix. Strands anti-parallel; has implications. (PS Rosie didn’t help)
Auch sonst sind wirklich nette Sachen dabei. Aber auf die Eingangsfrage, wofür Twittern eigentlich gut sei, geht Grant nicht mehr ein. Wahrscheinlich über den Spaß einfach vergessen.
Nature hatte letzte Woche einen lesenswerten Aufsatz mit dem Titel “Evolution: Return of the Hopeful Monsters” im Heft (Bd. 463, 864-67; Volltext hier online, mit Registrierung). Darin geht es um die langsame Abkehr von dem Prinzip, dass Evolution ausschließlich graduell durch stetiges Anhäufen von Mutationen voranschreite. Ein Prinzip, mit dessen Universalitätsanspruch der deutschstämmige Jude Richard Goldschmidt bereits 1940 in seinem Buch “The Material Basis of Evolution” aufräumen wollte. Doch damals bügelten die Großkönige der Evolutionsbiologie um Ernst Mayr und Co. Goldschmidts Theorie von den “Hopeful Monsters” brüsk und nachhaltig ab.
Seit kurzem jedoch häufen sich Daten, wegen derer man kaum mehr umhin kommt, sich an Goldschmidts hoffnungsvolle Monster zu erinnern. Diesen Beitrag weiterlesen »
Haben Kollegen schon mal berichtet, dass man Ihre Artikel nur schwer in den gängigen Literatur-Datenbanken findet? Das könnte daran liegen, dass Sie Ihre Publikationen nicht optimal für die Such-Algorithmen von Google Scholar, Web of Science, PubMed und Co. gestalten. Ist ja auch kein Wunder, denn woher sollten Sie auch wissen, wie man einen Artikel ausgerechnet zu diesem Zweck am besten zurechtfeilt.
… weil er jede Woche aufs Neue eine intelligente, dabei gut konsumierbare Mischung verantwortet – inklusive der wohl einzigen Wissenschafts-Cartoon-Serie „Da lacht das Labor“.
“Forscher Ernst” gibt’s in Laborjournal ununterbrochen seit Februar 1998. Die ganze FAS startete erst im September 2001. Forscher Ernsts Kommentar: “Da macht ein Journalisten-Magazin ein Ranking und vergisst dabei selbst die Urtugend des Journalisten: Gründlich recherchieren! Also vergessen wir einfach das Medium Magazin!”
Fleißigen Lesern unserer europäischen Schwesterzeitschrift Lab Times ist eine gewisse “Eule” ein Begriff. Und wer dazu noch ein gutes Gedächtnis hat, erinnert sich vielleicht, dass sie in ihren Observations vor bald drei Jahren einen Essay mit dem Titel “Paper Diarrhoea” schrieb. Zum Schluss schlägt sie darin vor:
My suggestion is simple (but it’s not mine alone, by the way). When an advanced researcher applies for a job, he should be asked to compile only his three or four “best” papers and explain exactly why he judges them to be his best contributions to the field. If this was standard practise (the referees, by the way, would actually have time to read those papers) people would finally aim at producing excellent and comprehensive pieces rather than as many as possible. And I’d like to bet that people like “Dr. Diarrhoea” would never come into question.
Nun, wie unser gefiederter Freund schrieb, war die Idee schon damals nicht ganz neu. Jetzt aber will die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sie tatsächlich umsetzen. Diesen Beitrag weiterlesen »
Wer der Welt mal so richtig Web 2.0/Social Media-mäßig mitteilen will, warum, wo und wie sie/er auf Biologie gekommen ist — für den ist Where Biology Begins wohl das richtige Forum. Dort kann man seine ganz eigene Story per Youtube, Twitter oder Facebook einreichen (allerdings auf englisch). Oder auch mit einer “old-fashioned e-mail” hinschicken. Was das Ganze außer Selbstdarstellung soll, wird allerdings nicht wirklich klar. Doch, halt, … da steht was: “We’re creating the new future of Life Science.” Ach so,… klar, logisch irgendwie. Und in der Zwischenzeit: “… enjoy the stories of biologists [...] we are meeting through the world of social media.”
Mal ernsthaft: Nutzen hierzulande aktive Life Science-Forscher überhaupt diese Web 2.0 Social Media? Und wenn ja, in welcher Weise (außer rein privater) profitieren sie davon? Helfen sie gar bei der (Echtzeit-)Diskussion wissenschaftlicher Themen? Das würde uns Laborjournalisten wirklich brennend interessieren.