
![]() Hubert Rehm |
Hubert Rehm zeichnet sich als einziger Laborjournalist durch einen soliden Werdegang aus. Eine kaufmännische Lehre beim Autohaus Krämer in Lahr / Schwarzwald vermittelte ihm die Grundbegriffe der Hierarchie kleiner Unternehmen und tiefe Kenntnisse des Dienstleistungssektors (Bierholen etc.). Nach einer handfesten Auseinandersetzung mit dem Chef es ging um die termingerechte Ablieferung von Lottoscheinen wechselte Herr Rehm sowohl Firma wie Metier. Frühzeitig das Potential der Biotechbranche erkennend, widmete er sich einem ihrer erfolgreichsten Produkte: der Wellpappe. Bald konnte man ihn in der riesigen Lagerhalle der "Lahrer Wellpappen" einherwandeln sehen. Suchend und forschend. Denn schluchtenbildend türmten sich die Pappberge. Und oft befand sich die gesuchte Sendung woanders als gedacht. Forscherschicksal! Die Forschung in der Biotechbranche lag Herrn Rehm. Niemand konnte so elegant mit den gußeisernen Palettenwagen um die Ecken biegen wie er. Keiner sprang so gemsenartig von Pappestapel zu Pappestapel. Keiner trug das graue Arbeitsmäntelchen mit solcher Grazie wie dieser schlanke, dichtbehaarte Jüngling mit den ausdrucksvollen braunen Augen. Niemand reagierte so gelassen auf die ewige Hektik des Versandhofes. "Wo isch dHaslacher Palett!" "Wirds bald!" "Ich muß vor 12 in Zell sein!". Des Versandleiters Herz jedoch hielt dem aufregenden Treiben nicht stand. Eines Morgens fand man ihn tot hinter einem Stapel doppelgewellter Pappe in einem Hexenring von Beruhigungspillen. Herr Rehm rückte zum Versandleiter auf. Neider behaupten, dies hätte er nur dem Arbeitskräftemangel jener Zeit zu verdanken. Tatsache ist jedoch, daß Herr Rehm tiefgreifende organisatorische Neuerungen einführte. Ihm sind die grünen Leitzettel zu danken, die so angenehm gegen das frühere schweinchenrosa abstechen. In seiner Zeit tailiierte man auch die Arbeitsmäntel, was den Versandkaufleuten der "Lahrer Wellpappen" ihr elegantes Erscheinungsbild gibt. Diese Verdienste wurden von der Firmenleitung der "Lahrer Wellpappen" allerdings nicht anerkannt. Herr Rehm kündigte. Der Biotechbranche blieb er jedoch treu vom pflanzlichen Bereich schwenkte er zum tierischen. Es war die Lederfabrik Wäldin, die dem aufstrebenden Kaufmann ein neues Tätigkeitsfeld bot. Idyllisch gelegen an dem Flüßchen Schutter, dem sie auf Kilometer hinaus eine räse Duftmarke aufdrückt, versorgt die Firma Wäldin Schuhfabriken und Autosattlereien mit Nappa und Boxcalf. Hier kam es zu der folgenreichen Begegnung mit dem Gründer von Laborjournal, Hanspeter Sailer. Herr Rehm fegte gerade Lederreste zusammen, um sie auf den Müll zu werfen, als er angesprochen wurde: "Das sind aber schöne Reschtle!" Der Schwabe Sailer wollte billig Leder zu einer Jacke erstehen. "Das sind keine Reste, das ist Auswahl, die ich spezialbehandele", erwiderte Herr Rehm. Uns so kam man ins Gespräch. "Was? In der Papierbranche haben Sie gearbeitet?" fragte Sailer erstaunt und mit sicheren Griff für Charaktere bot er Herrn Rehm die Stelle des Anzeigenchefs an. Eine glückliche Wahl! Die drei wichtigsten Dinge für Herrn Rehm sind: Anzeigen, Anzeigen, Anzeigen. Mit nichts können Sie ihn mehr erfreuen als mit einer 1/1 Seite vierfarbig höchstens noch mit einem Einleger. Rastlos rast er mit seinem weißen BMW (Isetta, Bj 55) von Kunde zu Kunde, charmiert auf Teufel komm raus mit Marketing Damen und Produktmanagern. So bitter auch die Kommentare der Herren Bär und Neumann sein mögen, die flötende Süße der Rehmschen Telefonate macht die Redaktionssuppe dennoch genießbar. |