Starke Gruppen

Zitationsvergleich 2000 bis 2003: Pathologie
von Lara Winckler, Laborjournal 04/2006

Die meistzitierten Artikel Die meistzitierten Reviews Die meistzitierten Köpfe

Bild der meistzitierten Köpfe (ca. 100 kb)


Schweizer Wissenschaftler sind nicht die zahlenmäßig stärkste Fraktion unter den Top-Pathologen, doch sie gehören zu den meistzitierten. Im Vergleich zu 1997-1999 haben jedoch die deutschen Pathologen aufgeholt, und auch die Österreicher sind diesmal unter den Top 10 vertreten.

Die Pathologie ist die Erforschung und Lehre von Ursache, Verlaufform und Auswirkung von krankhaften Veränderungen sowie von Missbildungen aller Art. "Erfunden" wurde sie von den alten Ägyptern und - war nicht anders zu erwarten - den alten Griechen. Allerdings beschränkte sie sich damals auf Leichenöffnungen zur anatomischen Weiterbildung. Ein paar tausend Jahre später, nämlich 1796, trat der erste Fachmann für Pathologie, der sogennannte "Prosektor", am Wiener Allgemeinen Krankenhaus seinen Dienst an. 1858 stellte Rudolf Virchow an der Charité Berlin seine Theorie der "Zellularpathologie" vor, und führte damit die Untersuchung pathologischer Veränderungen auf zellulärer Ebene ein, die Pathologie bekam wissenschaftlich Hand und Fuß.


Starke Schweizer

Noch immer gehören Wien und Berlin zu den wichtigsten Schauplätzen der pathologischen Forschung. Auch einer der "neuen" Griechen arbeitet in Berlin: Ioannis Anagnostopoulos (27.) erforscht am Pathologischen Institut der Charité zusammen mit Harald Stein (9.) die molekularen Ursachen der Hodgkinschen Krankheit. Insgesamt sechs der Top 50-Pathologen arbeiten an der Berliner Pathologie, doch nur Stein schaffte es auch unter die Top 10. Ein Grund dafür sind sicher die starken Schweizer: Vier der elf Schweizer Pathologen im Vergleich tragen einstellige Rankingnummern, allen voran Virchow-Preisträger (1997) Guido Sauter (2.), der bis Dezember 2004 die Molekulare Pathologie des Unispital Basels leitete. Danach allerdings überschritt der Uropathologe die Grenze - seit Januar 2005 ist er Direktor am Institut für Pathologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

Mit sieben Wiener Pathologen unter den Top 50 ist Wien die zweitstärkste Stadt, gleich hinter Basel mit acht Wissenschaftlern und vor den sechs Berlinern. Die Wiener Pathologen belegen dabei durchaus gute Plätze, Dontscho Kerjaschki (10.) etwa reiht sich bei den Top 10 ein. Und auch die anderen Wiener Prosektoren brauchen sich nicht zu verstecken. Das Team um Georg Oberhuber (14.), Peter Birner (16.) und Monika Schindl (34.) vom Klinischen Institut für Pathologie der Uni Wien hat seinen Forschungsschwerpunkt auf Tumormarker wie den Transkriptionsfaktor HIF-1 gelegt.


Fachfremde Co-Autoren

Immer wieder sehr gefragt sind Pathologen als Co-Autoren in Artikeln anderer Wissenschaftssparten, auch wenn sie das zu einsamen Streitern unter ihren Mitautoren aus den fremden Fächern macht. So veröffentlichen etwa Rudolf Valenta (25.) aus Wien und Bernhard Odermatt (4.) aus Zürich mit Immunologen, der Wiener Heinz Regele (46.) und der Basler Michael J. Mihatsch (5.) mit Nephrologen und der Grazer Kurt Zatloukal (43.) mit Hepatologen. Auch deutsche Pathologen schreiben schon mal "fremd", wie Manfred Stolte (6.) vom Klinikum Bayreuth bei den Gastroenterologen - sein Spezialgebiet sind Helicobacter - und der Direktor des Pathologischen Instituts der Charité Manfred Dietel (13.) bei den Gynäkologen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts führte der Pathologe Karl Freiherr von Rokitansky in Wien gerade einige seiner 30.000 Sektionen durch. In diese Zeit fiel auch die Gründung eines der stärksten Pathologischen Institute überhaupt im deutschsprachigen Raum: das Basler Institut feiert heuer sein 150-jähriges Bestehen. Ähnlich der Wiener Pathologie liegt seine Stärke in der schieren Masse an Forschern, die es unter einem Dach vereint - verteilt auf mehrere Arbeitsgruppen unter der Leitung von Institutsdirektor Mihatsch und bis 2004 auch Guido Sauter.


Krebspathologe meistzitiert

In Würzburg fand Rudolf Virchow sieben Jahre lang eine Zuflucht - nach seiner Beteiligung an der Märzrevolution 1848 musste er Berlin für eine Weile verlassen. Dorthin zog es auch den Autor des mit Abstand meistzitierten Artikels der Jahre 2000-2003: Andreas Rosenwald (1.) hatte nach vier Jahren am Center for Cancer Research, National Institutes of Health (NIH) in Bethesda Heimweh, im März 2003 kehrte er zurück an die Würzburger Pathologie.

Während seiner Zeit in den USA hatte er den Kontakt zu Deutschland ohnehin nie ganz abbrechen lassen: Die Deutsche Krebshilfe Bonn unterstützte einen Teil seiner Arbeit, und auch die Zusammenarbeit mit den ehemaligen Kollegen - Hans Konrad Müller-Hermelink (3.) und German Ott (31.) vom Pathologischen Institut der Uni Würzburg - lief weiter. Gemeinsam veröffentlichten sie einige Artikel, darunter die Nr.2 der meistzitierten Artikel. Das Top-Paper dieses Zitationsvergleichs entstand allerdings ohne deutsche Mithilfe. Seit seinem Erscheinen 2000 wurde es 2028 mal zitiert.


Wer ist dabei?

In diesem Ranking sind ausnahmslos nur Wissenschaftler aufgeführt, die an Pathologischen Instituten arbeiten.

Und falls ihn jemand vermisst: Nach einigen Diskussionen wurde auch der h-Index wieder aus der Liste genommen. In den Augen der Redaktion hat die Angabe des h-Index (siehe Zitationsvergleich LJ 12/2005) keine Aussagekraft - nichts, was nicht schon durch Zitierungszahlen und Artikel abgedeckt worden wäre.




Wie die Tabellen entstanden

Berücksichtigt wurden Papers mit Erscheinungsjahr zwischen 2000 und 2003 sowie mindestens einem Autor mit Adresse im deutschen Sprachraum. Die Zahlen für Zitate und Artikel lieferte die Datenbank "Web of Science" des Thomson-Institute for Scientific Information (ISI) in Philadelphia. Stichtag war der 29. März 2006.

Die "Köpfe" arbeiteten während des Bewertungszeitraums an einem pathologischen Institut, publizierten überwiegend in pathologischen Journals oder arbeiteten vorrangig an pathologisch relevanten Projekten.

Wichtig: Fehler, die bereits in den Datenbanken stecken, können wir nur selten erkennen.




Die meistzitierten Artikel

Rang Autoren Paper Zitierungen
1.Alizadeh AA, ..., Rosenwald A, ..., Staudt LMDistinct types of diffuse large B-cell lymphoma identified by gene expression profiling NATURE 403 (6769): 503-511 FEB 3 20002028
2.Rosenwald A, ..., Müller-Hermelink HK, ..., Staudt LMThe use of molecular profiling to predict survival after chemotherapy for diffuse large-B-cell lymphoma NEW ENGLAND JOURNAL OF MEDICINE 346 (25): 1937-1947 JUN 20 2002475
3.Garber ME, ..., Schlüns K, Petersen S, Thaesler Z, Pacyna-Gengelbach M, ..., Petersen IDiversity of gene expression in adenocarcinoma of the lung PNAS 98 (24): 13784-13789 NOV 20 2001260
4.Hrabe de Angelis M, ..., Richter T, ..., Balling RGenome-wide, large-scale production of mutant mice by ENU mutagenesis NATURE GENETICS 25 (4): 444-447 AUG 2000221
5.Rosenwald A, ..., Staudt LMRelation of gene expression phenotype to immunoglobulin mutation genotype in B cell chronic lymphocytic leukemia JOURNAL OF EXPERIMENTAL MEDICINE 194 (11): 1639-1647 DEC 3 2001217
6.Atreya R, ..., Lehr HA, Autschbach F, ..., Neurath MFBlockade of interleukin 6 trans signaling suppresses T-cell resistance against apoptosis in chronic intestinal inflammation: Evidence in Crohn disease and experimental colitis in vivo NATURE MEDICINE 6 (5): 583-588 MAY 2000209
7.Tafuri A, ..., Odermatt B, ..., Mak TWICOS is essential for effective T-helper-cell responses NATURE 409 (6816): 105-109 JAN 4 2001206
8.Calandra T, Echtenacher B, ..., Männel D, ..., Glauser MPProtection from septic shock by neutralization of macrophage migration inhibitory factor NATURE MEDICINE 6 (2): 164-170 FEB 2000203
9.Ell C, ..., Vieth M, Müller H, Seitz G, Stolte MEndoscopic mucosal resection of early cancer and high-grade dysplasia in Barrett‘s esophagus GASTROENTEROLOGY 118 (4): 670-677 APR 2000188
10.Hruban RH, ..., Klöppel G, Longnecker DS, Lüttges J, Offerhaus GJAPancreatic intraepithelial neoplasia – A new nomenclature and classification system for pancreatic duct lesions AMERICAN JOURNAL OF SURGICAL PATHOLOGY 25 (5): 579-586 MAY 2001180





Die meistzitierten Reviews

Rang Autoren Paper Zitierungen
1.Atkinson MA, Eisenbarth GSType 1 diabetes: new perspectives on disease pathogenesis and treatment LANCET 358 (9277): 221-229 JUL 21 2001188
2.Jochum W, Passegue E, Wagner EFAP-1 in mouse development and tumorigenesis ONCOGENE 20 (19): 2401-2412 APR 30 2001168
3.Valent P, ..., Sotlar K, ..., Parwaresch RM, ..., Bennett JMDiagnostic criteria and classification of mastocytosis: a consensus proposal LEUKEMIA RESEARCH 25 (7): 603-625 Sp. Iss. SI JUL 2001148





Die meistzitierten Köpfe

Rang Name Ort Zitierungen Artikel
1Andreas RosenwaldPath Uni Würzburg (bis 3‘2003 USA)361825
2Guido SauterPath Uni Hamburg (bis 12‘2004 Basel)215155
3Hans K. Müller-HermelinkInst Path Uni Würzburg211183
4Bernhard OdermattKlin Path Unispital Zürich179847
5Michael J. MihatschInst Path Unispital Basel175559
6Manfred StoltePathologie Klinikum Bayreuth1698102
7Hermann-Josef GröneMol & Zell Path DKFZ Heidelberg161878
8Holger MochInst Klin Path Unispital Zürich (bis 2003 Basel)135845
9Harald SteinInst Path Charité FU Berlin128362
10Dontscho KerjaschkiKlin Inst Path, Allg KH Uni Wien123735
11Hans-Anton LehrInst Path Uni Mainz109142
12Thomas KirchnerInst Path Med Uni Erlangen-Nürnberg108855
13Manfred DietelInst Path Charité FU Berlin108256
14Georg OberhuberInst Klin Path Uni Wien 103152
15Jean Claude ReubiCell Biol & Cancer Res Inst Path Uni Bern101845
16Peter BirnerKlin Inst Path, Med Uni Wien 98558
17Reinhard BüttnerInst Path Uni Bonn (bis 2001 Uni Aachen)95864
18Heinz HöflerInst Path, TU München & GSF Neuherberg94374
19Iver PetersenInst Path Uni Berlin92734
20Martin WernerInst Path Uni Freiburg (bis 2004 TU München)92648
21Günter KlöppelInst Path Uniklinik Kiel89640
22Peter MöllerInst Path & Rechtsmedizin Uniklinik Ulm89458
23Kerstin AmannInst Path Erlangen (bis 2000 Path Heidelberg)89355
24Thomas C. GasserInst Path Uni Basel88930
25Rudolf ValentaAllg & Exp Path Uni Wien88485
26Andreas ChottInst Klin Path Uni Wien87758
27Ioannis AnagnostopoulosInst Path Charité FU Berlin84029
28Lukas BubendorfInst Path Uni Basel 82223
29Peter SchramlInst Path Uni Basel81722
30Werner BöckerGerhard-Domagk-Inst Path Uni Münster77548
31German OttInst Path Luitpold-KH Uni Würzburg76535
32Martin-Leo HansmannSenkenberg Inst Path Uni Frankfurt76333
33Horst BürgerGerhard-Domagk-Inst Path Uni Münster75938
34Monika SchindlInst Klin Path Uni Wien74137
35Anja K. BosserhoffInst Path Regensburg (bis 2001 Aachen)73654
36Karsten SchlünsInst Path Charité FU Berlin72823
37Andrea TannapfelInst Path Uni Bochum (bis 9‘2005 Path Leipzig)72592
38Georg WickAllg & Exp Path Uni Innsbruck72232
39Jutta LüttgesInst Path Saarbrücken (bis 2004 Path Uni Kiel)71926
40Hans H. KreipeInst Path Med Hochschule Hannover (MHH)70556
41Ruth Knüchel-ClarkePath Uni Aachen (bis 2003 Regensburg)69951
42Christian WittekindInst Path Uniklinik Leipzig69461
43Kurt ZatloukalGastrointest Path, Inst Path Uni Graz69323
44Joachim TorhorstInst Path Uni Basel68216
45Christopher PorembaPath Uni Düsseldorf (bis 2003 Münster)66748
46Heinz RegeleKlin Inst Path Med Uni Wien66433
Steffen HauptmannInst Path Charité Berlin66447
Arthur ZimmermannInst Path Uni Bern66472
49Urs WagnerInst Path Uni Basel64412
50Thomas RichterInst Path GSF Neuherberg & TU München64021






Letzte Änderungen: 24.04.2006





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