
Buchbesprechungvon Gabi Spittau |
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![]() Michael Groß: Der Kuss des Schnabeltiers Gebundene Ausgabe: 284 Seiten Verlag: Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA; Auflage: 1. Auflage (9. September 2009) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3527324909 ISBN-13: 978-3527324903 Preis: 24,90 EUR |
Zweitverwertung „Groß“artige Geschichten, aus Natur, Wissenschaft und Technik erzählt der 47jährige Autor Michael Groß in seinem Buch Der Kuss des Schnabeltiers. Groß ist Chemiker, promovierte in Oxford in physikalischer Biochemie und war dabei zunächst nebenberuflich, später hauptberuflich als freier Journalist tätig. Sein Buch enthält „61 Lieblingsgeschichten“, die Groß in seiner 15jährigen journalistischen Tätigkeit für Zeitungen und Zeitschriften wie zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung, Spektrum der Wissenschaft und Chemie in unserer Zeit schrieb. Jeder der zwei bis siebenseitigen Texte wird mit persönlichen Erlebnissen, Meinungen oder Anregungen eingeleitet. Am Ende gibt‘s für besonders Interessierte einige Literaturhinweise. Groß schreibt über Themen quer durch die Wissenschaften. Man erfährt, wie sich die Vertreter bestimmter Frosch- und Schildkrötenarten „freiwillig“ zum Überwintern einfrieren, was man mit magnetischen Pinzetten anfangen kann, was es mit der Nanofluidik auf sich hat und vieles mehr. Am Ende jeder Geschichte findet sich ein kleiner Abschnitt, der sich damit befasst, „was danach geschah“. Dieser ist meist ein paar Zeilen, selten auch ein paar Seiten lang und soll die teilweise recht alten Geschichten aktualisieren. Leider ist Groß in diesem Punkt inkonsequent. Zum Teil sind die Aktualisierungen nicht aktuell, sie sind unvollständig oder fehlen ganz. So „unterschlägt“ er zum Beispiel in seiner Geschichte „Eine Rezeptorfamilie für bitteren Geschmack“ die Entwicklung ab 2002, dabei hatte die Arbeitsgruppe um Charles Zuker, um die es darin geht, bis 2008 noch sechs weitere Publikationen zu dem Thema. Trivial können diese nicht sein, wurden doch vier davon in Nature und zwei in Cell publiziert. Ebenso veraltet erscheint das, was Groß über das im September 2007 veröffentlichte Genom des Spätburgunders (Pinot Noir) erzählt. Ist da seitdem wirklich nichts mehr passiert? Wohl kaum: Schaut man bei Pub-med.gov unter dem Stichwort „grapevine genome“ nach, so sind seit September 2007 immerhin 122 Veröffentlichungen erschienen. Die Rezensentin hätte ferner interessiert, was beispielsweise mit dem „aussichtsreichen Maus-Antikörper 14F7“ seit Anfang 2004 passiert ist. Ist das entsprechende Medikament schon zugelassen? Ist es in den klinischen Tests gescheitert? Groß schreibt nichts darüber. Außen farbig, innen grau Der Kuss des Schnabeltiers kommt mit dem bunt gezeichneten Ornithorhynchus auf dem Titel lustig und bunt daher, zumindest auf den ersten Blick. Doch Vorsicht! Der erste Eindruck täuscht! So bunt das Buch von außen ist, so farblos ist es von innen, und das bezieht sich nicht nur auf die wenigen schwarzweißen Abbildungen, sondern auch auf den Text. Die Geschichten lesen sich zwar flüssig und sind inhaltlich interessant, manchmal vielleicht auch spektakulär bis skurril, wie es der Text auf dem Buchrücken verspricht, doch sie sind nicht so humorvoll, wie es sich die Rezensentin erhoffte. Der Autor übersetzt wissenschaftliche Arbeiten in eine verständliche, lesbare Sprache – zumindest für naturwissenschaftlich gebildete und interessierte Leser. Gerade die naturwissenschaftliche Bildung birgt aber die „Gefahr“, dass einen einige Geschichten nicht mehr „vom Hocker reißen“, da man die darin dargestellten Skurrilitäten bereits von anderswoher kennt. Immerhin sind die älteren Texte bis zu 15 Jahre alt. Vielleicht gehört man sogar zu den praktischen Anwendern einer oder mehrerer der von Groß beschriebenen Methoden. Ist dies der Fall, bietet sich hier allerdings ein Anlass, innezuhalten und sich klar zu machen, wie die eigene Arbeit in den Augen Anderer wirkt: offenbar spannend, skurril oder verrückt. Elegante Zweitverwertung Michael Groß hat es sich einfach gemacht: Ein paar alte Texte, ein paar kurze Einleitungen dazu, zum Schluss noch einige Ergänzungen – und fertig ist das Buch. Die Geschichten sind meist unverändert aus den jeweiligen Erstveröffentlichungsmedien übernommen und lesen sich etwas lahm. Der Versuch wenigstens die Einleitungen lustig zu gestalten, wirkt verkrampft. Wer sich also im Zug auf der Fahrt zum nächsten Kongress auf angenehm unwissenschaftliche Weise mit wissenschaftlichen Themen beschäftigen möchte ist mit diesem Buch gut beraten. Wer dabei aber Wert auf Vollständigkeit, Aktualität und Humor legt, eher nicht. |