Buchbesprechung

von Winfried Köppelle




Charles Darwin
Die Entstehung der Arten

Gebundene Ausgabe: 608 Seiten
Verlag: Nikol Verlags-GmbH (14. August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3868200029
ISBN-13: 978-3868200027
Preis: 9,95 EUR

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Diplomatisches Revoluzzerwerk

Dieses Ding ist also schuld. Wegen dieses vor 150 Jahren veröffentlichten Buchs dürfen wir uns heute mit Kreationisten herumärgern. Dabei wäre Darwins Meisterwerk Die Entstehung der Arten womöglich nie veröffentlicht worden, hätte ihn nicht ein Fachkollege dazu getrieben. Die Geschichte ist bekannt - wie der jugendlich-naive Alfred Russel Wallace 1858 sein wegweisendes Molukken-Manuskript "On the Tendency of Varieties" ausgerechnet an Darwin sandte, ohne zu ahnen, dass dieser in den vorausgegangenen 15 Jahren zu ganz ähnlichen Schlüssen gekommen war. Insofern war Darwins am 22. November 1859 veröffentlichtes Meisterwerk ein jahrelang gereifter - Schnellschuss. Dank guter PR-Arbeit war die erste, 1250 Exemplare starke Auflage bereits am ersten Tag vergriffen, und auch Menschen außerhalb von Darwins wissenschaftlichem Umfeld kannten bald sein Konzept: dass sich Populationen graduell durch natürliche Selektion entwickeln. Im Gegensatz zu anderen Werken dieser Zeit jedoch spekulierte Darwin nicht nur. Er lieferte detaillierte wissenschaftliche Indizien, die er durch eigene Experimente und seine Reise auf der Beagle von 1831 bis 1836 gesammelt hatte. Seit 1859 sind die klerikalen Theorien einer "Schöpfungsbiologie" auf einem, wenn auch zähen, Rückzug. Die Zeit war reif. Die Entstehung der Arten gilt als eines der meistgelesensten Bücher des 19. Jahrhunderts. Auf heutige Leser wirkt die altertümliche Sprache schrullig; zudem neigt Darwin dazu, seitenlang über ein Thema zu schwafeln, ohne auf den Punkt zu kommen, und den Text mit unnützen Einsprengseln wie "im Allgemeinen", "im Besonderen", "wirklich", "wie soeben bemerkt worden ist", "nämlich", "sehr", "vollständig" und "gänzlich" zu verkleistern. Zudem ist das Buch geschrieben wie ein Vortragsmanuskript ("Derartige Betrachtungen veranlassen mich..."; "Wir wollen darauf zurückkommen..." etc.). Kurzum: Darwins diplomatische, vermutlich der Viktorianischen Epoche geschuldete Schreibweise nervt. Trotzdem sind die klugen Schlussfolgerungen des Briten lesbarer und offensichtlicher als alles, was Kreationisten, Geozentristen, Konkordanzhypothetiker und sonstige Esoteriker in den 150 Jahren danach veröffentlicht haben.




Letzte Änderungen: 06.03.2009





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