
Buchbesprechungvon Winfried Köppelle |
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![]() Arnold Raem & Peter Rauch (Hrg.) Immunoassays Taschenbuch: 370 Seiten Verlag: Spektrum Akademischer Verlag (Oktober 2006) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3827416361 ISBN-13: 978-3827416360 Preis: 37,00 EUR Buch online bestellen |
Von Biotechnologen für Biotechnologen Dieses Methodenbuch ist meines Wissens das erste, das sich an Forscher in kommerziellen Unternehmen wendet. Die Herausgeber sind Arnold Raem von Arrows Biomedical und Peter Rauch, Geschäftsführer von Candor Bioscience. Von den 21 Autorengruppen stammen 10 aus Firmen: Chimera Biotec, Nunc, Denovo Biolabels, Greiner Bio-One, Nikon, Roche Diagnostics, Candor und Arrows. Wer aber eine Werbebroschüre erwartet, wird angenehm enttäuscht. Zwar berichten die Firmenautoren oft über eigene Produkte, dies aber deswegen, weil sie sich damit am besten auskennen. In dem Buch ist keinerlei Werbung. Es geht auch den Firmenautoren nicht um’s Verkaufen, sondern um die Vermittlung ihrer – bemerkenswert tiefen – Fachkenntnis. Eine Fachkenntnis, die nicht nur kommerziellen Forschern bei der Entwicklung von Kits helfen dürfte, sondern auch dem Immunoassay-Verbraucher im Universitätslabor. Eine Unmenge nützlicher Hinweise Ausgezeichnet ist der einführende Beitrag von Rudolf Gruber, LMU München, in Struktur, Aufbau, Herstellung und Eigenschaften von Antikörpern. Klare, knappe, unprätentiöse Sprache, großes Wissen und der Mann hat sogar Humor. Hier spürt der Leser den Atem der Praxis, da schreibt einer, der noch selber pipettiert oder zumindest noch weiß, wie das geht. Auf engstem Raum sammelt Gruber eine Unzahl nützlicher Hinweise: Daß derivatisierte Antikörper weniger stabil sind als underivatisierte, daß man mit langwelligen Fluoreszenzfarbstoffen derivatisierte Antikörper möglichst wenig dem Licht aussetzt, daß Antikörper möglichst lange in der Stammlösung aufbewahrt werden sollen, daß man peroxidasegekop-pelte Antikörper statt mit Azid besser mit Thymol vor der "mikrobiellen Verderbnis" schützt, und und und. Ein hohes wissenschaftliches und passables sprachliches Niveau hat der Beitrag "Oberflächenplasmonenresonanz" von Gerald Steiner von der TU Dresden. Nichtphysikern wird zwar Konzentration abverlangt und Leuten mit Formelphobie sollten eine Tablette einwerfen, aber wenn Sie die 16 Seiten durch haben, wissen Sie, was Plasmonenresonanz bedeutet und was Sie damit anfangen können. Durch fachliche Exzellenz besticht der Artikel von Peter Esser et al. über die Immobilisierung von Molekülen an Oberflächen, brillant wirken insbesondere die geometrischen Überlegungen zur Adsorption. Leider sind die Autoren Dänen und der Artikel mußte ins Deutsche übersetzt werden. Darunter hat vermutlich die sprachliche Eleganz gelitten. Enttäuscht hat mich Krimi-Autor Burkhard Ziebold ("Morgensterns Erkenntnis") mit seinem Kapitel "Protein-Arrays". Schon im ersten Satz der Einleitung lümmelt sich das Blähwort "Bereich", im zweiten Satz steht Unsinn (wahrscheinlich ein Schreibfehler) und die Inhalte vieler weiterer Sätze könnte man einfacher und kürzer fassen und manchmal ganz streichen, etwa "In der Pharmaforschung können Proteinchips vielfältig eingesetzt werden". Die Informationsdichte des Kapitels ist niedrig, wegen der umständlichen Sprache ist es trotzdem schwer lesbar. Das Kapitel von Peter Rauch und Tobias Polifke "Störeffekte bei Immunoassays" lege ich dagegen jedem Immunoassay-Anwender ans Herz. Es werden behandelt: Störungen durch Immunoassay-Label, Assay-Antikörper, Matrixeffekte, Chemikalien und Puffer, HAMAs, heterophile Antikörper, endogene Bestandteile der Probe, Kreuzreaktionen, unspezifische Bindungen und der Hook-Effekt. Am besten mehrmals lesen. Auf die Vermeidung von Störeffekten gehen Rauch und Polifke ebenfalls ein. Man hätte sich allerdings gewünscht, zu erfahren, wie denn Rauchs LowCross-Puffer die Störeffekte von nieder- und mittelaffinen Bindungen beseitigt. Ebenfalls aus den Federn von Rauch und Polifke stammt das empfehlenswerte Kapitel "Auswertung und Validierung". Der Text über Ausreißertests müßte für Mediziner Pflichtlektüre werden. Lutz Haalck beschreibt Fluoreszenz, Fluoreszenzfarbstoffe und wie man sie an Antikörper bindet. Er behandelt die Kopplung an Aminogruppen, Kohlenhydratreste und Cysteine. Selbstverständlich gibt es auch Kapitel über ELISA, Westernblots, Zytometrie, Immuno-PCR, Dot-Blots und Immunhistochemie. Sie werden sogar über "Marktorientiertes Innovationsmanagement" und "Regulatorische Anforderungen an die Entwicklung von In-vitro-Diagnostika" informiert. Was diese letzten zwei Kapitel wert sind, kann ich nicht beurteilen. Ich habe sie nicht gelesen. Wenn Sie das Buch in die Hand nehmen, lassen Sie sich vom Waschzettel – dem Text auf der Buchrückseite – nicht irritieren. Der stolziert geschwollen daher. Aber Waschzettel werden vom Verlag erstellt. Was zwischen den Buchdeckeln steht ist ganz überwiegend brauchbar. |