Buchbesprechung

von Silke Blohm




Ian Stewart
Flacherland – Die unglaubliche Reise der Vikki Line durch Raum und Zeit.

Sprache: Deutsch
Gebundene Ausgabe - 384 Seiten - C.H.Beck Verlag
Erscheinungsdatum: Februar 2003
ISBN: 3406501796
Preis: EUR 24,90

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Gute und erfolgreiche Romane aus dem Bereich der Wissenschaften sind Mangelware. Ian Stewart, ein englischer Mathematiker von der University of Warwick, hat nun ein Buch geschrieben, welches beide Bedingungen erfüllen könnte.

Stewart hat sich mit der Mathematik und Physik Themengebiete ausgesucht, welche auf den ersten Blick weit weniger faszinierend scheinen als zum Beispiel die lebenden Organismen der Biologie. Hauptperson unseres Romans ist Vikki Line, ihres Zeichens eine Linie in Flacherland, ihrer zweidimensionalen Welt. Jung, neugierig und aufmüpfig, wie Frauen so sein können, findet sie eines Tages das Tagebuch ihres Ururgroßvaters Albert Square und macht, bevor ihr besorgter Vater dieses Werk in die Flammen des Kamins wirft, noch schnell eine Kopie des guten Stücks.

Albert Square, so scheint es, hatte Besuch eines Wesens, das es eigentlich gar nicht geben dürfte: einer Kugel. Obwohl ihren Urahnen diese Geschichte ins Gefängnis gebracht hat, versucht Vikki ihrerseits die Kugel zum erneuten Besuch zu bewegen. Und – sonst wäre es ja langweilig – sie kommt. Jedenfalls so etwas ähnliches wie eine Kugel. Bei näherer Betrachtung weist Space Hopper, wie sich Vikkis neuer Begleiter vorstellt, eine nicht zu leugnende Ähnlichkeit mit einem Hüpfball auf. Flacherland – Die unglaubliche Reise der Vikki Line durch Raum und Zeit beschreibt Vikkis nun folgende Reise durch die Welt der Dimensionen.

An Sofies Welt erinnert Stewarts Buch. Genau wie Jostein Gaarder bedient er sich des Mittels der staunenden, neugierigen Jugendlichen, die einen Lehrer findet, der Fragen nach Philosophie und Wissenschaft beantwortet. Space Hopper, ein zugegeben origineller Lehrer, entführt seine Schülerin in diesem Fall in die Welt der Topologien und Räume. Eine "geklaute" Idee könnte man sagen, eigentlich aber basiert Stewarts Buch auf einem anderen wahren Klassiker: Edwin Abbotts Flatland – Flächenland. Abbott schrieb diesen im viktorianischen England des Jahres 1884.


Vorstellungsvermögen gefragt

Stewart lässt dieses Urwerk in Form des Tagebuchs von Vikkis Urahn wiederaufleben. Gleichzeitig aber spinnt er diese Geschichte viel weiter. Während man anfangs als naturwissenschaftlich halbwegs gebildeter Leser wissend den Kopf nickt, die verschiedenen Dimensionen oder auch den Besuch bei Schrödingers Katze noch in die Kategorie längst bekannt einsortiert, wird es dann unerwartet schnell abstrakter. Über Stationen bei Faktalen, der Moobius-Kuh oder dem Hawk King landet Vikki schließlich bei n-Tupeln, Strings und Wurmlöchern, die das Vorstellungsvermögen schon ganz schön herausfordern.

Darüber hinaus ist Flacherland wunderbar humorvoll und zum Teil sarkastisch geschrieben. Die Rahmengeschichte in Vikkis zweidimensionaler Welt entbehrt nicht eines gewissen spöttischen Blicks auf Familientraditionen und Konventionen. Fast zwangsläufig stellt sich diese Welt bei näherer Betrachtung dann auch ganz anders dar. Sehr zum Leidwesen vieleckiger Männer im Übrigen.

Insgesamt ist Flacherland ein wunderbar gelungenes Werk, dass viele überraschende Einblicke in die moderne Mathematik und Physik liefert und dabei überaus amüsant und lesenswert ist.





Letzte Änderungen: 08.09.2004





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